Eine Fremdsprache lernt man am besten als Projekt.

Sonntag, 8. Juli 2012 Kein Kommentar

Beim Erlernen einer Fremdsprache sind die ersten 30 Tage entscheidend. Nicht jeder kann es sich leisten, diese Zeit im Sprachgebiet zu verbringen. Man kann aber trotzdem einiges tun, um eine neue Sprache schnell und relativ einfach zu lernen.

Es gibt rund 7000 Sprachen auf der Welt, 527 allein in Nigeria. Die Sprachenvielfalt hat ihren Preis: Wenn zwei nicht miteinander reden können, treiben sie in der Regel auch weniger Handel – und Bücher, Filme, Dokumente usw. müssen übersetzt werden, schreibt die Frankfurter Allgemeine in einem interessanten Artikel.

Mehr Sprachen, mehr Wohlstand
Sprachenvielfalt kostet also Verständnis und Geld. In einem neuen Buch gehen die Autoren Victor Ginsburgh und Shlomo Weber unter anderem der Frage nach, wie viele Sprachen die Europäische Union braucht und kommen, wen überrascht es, zum Schluss: Zu viele sind nicht gut.

Dennoch vergrössern kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit den Wohlstand. Die Autoren zitieren Studien, nach denen Firmen mehr Gewinn machen, wenn sie Leute mit unterschiedlichen Sprachen beschäftigen. Zitat aus der Frankfurter Allgemeinen: «Eine Untersuchung von zwölf amerikanischen Großstädten zeigt: Wo es mehr unterschiedliche Sprachen gibt, dort sind auch die Löhne höher – im Extremfall um 30 bis 40 Prozent.»

4 wichtige Regeln beim Sprachenlernen
Es spricht also einiges für den Erwerb von Fremdsprachen – und dafür, diese möglichst effektiv und effizient zu erlernen, mit minimalem Frust und einem Maximum an Lust. Maneesh Sethi beschreibt in einem Blogpost bei Zen Habits, wie das geht, nämlich so:

  • Besorge dir die richtigen Ressourcen zum Lernen: Grammatik-Buch, Memorisierungs-Software, Filme und Bücher.
  • Besorge dir einen Privatlehrer für mindestens einen Monat.
  • Versuche, ausschliesslich in der neuen Sprache zu sprechen und zu denken. (Ay, schwierig.)
  • Finde Freunde, Sprachpartner und andere, welche die Sprache sprechen (notfalls auch online).

Zu all diesen Punkten liefert Maneesh Sethi in seinem Blogpost detaillierte Erläuterungen und auch zahlreiche Links zu Ressourcen im Internet, einschliesslich Videos. Er empfiehlt ausserdem (ganz wichtig!) den Aufenthalt im Sprachgebiet während drei Monaten, aber Maneesh Sethi hat gut reden: Der Mann hat eine eigenwillige Biografie und offenbar sämtliche nötigen Ressourcen, um tun und lassen zu können, was er will, einschliesslich der Reduktion seiner Besitztümer auf das, was in einem Rucksack Platz hat. Die meisten von uns führen ein anderes Leben.

Privatlehrer anstatt Gruppenunterricht
Einige seiner Tipps finde ich dennoch sehr hilfreich und inspirierend, ganz besonders denjenigen, dass man sich intensiv mit der neuen Sprache beschäftigen soll. Will heissen: Anstatt eines Abendkurses einmal die Woche für eineinhalb Stunden besorge man sich einen Privatlehrer und geniesse 1:1-Unterricht. Es macht überhaupt keinen Sinn, in einer Gruppe von 12 Leuten den anderen Anfängern beim Fehlermachen zuzuhören.

Den Erwerb einer neuen Sprache kann man als Projekt betrachten: Ich investiere 30, 90 oder 180 Tage, gebe vielleicht zwei Wochen Ferien dran für einen Intensivkurs im Sprachgebiet und lerne die übrige Zeit konzentriert, online und mit Privatlehrer. Was Sprachreisen betrifft: Da gibt es ein paar, die mir auch gefallen würden, zum Beispiel Arabisch lernen in Marokko oder Spanisch lernen auf dem Jakobsweg.

Empfehlenswert: Fernkurse der AKAD
Eine Alternative zum Privatlehrer könnten die Fernkurse der AKAD sein. Im Normalfall erhält man pro Monat eine Lektion zum Durcharbeiten, kann aber auch verfügen, dass man alle zwei Wochen oder gar jede Woche eine neue Lektion erhält, wenn man intensiv lernen will. (Was, wie wir eben gesehen haben, empfehlenswert ist.)

Wichtig ist in jedem Fall, dass man dran bleibt – und ich meine: RICHTIG dran bleibt, und das heisst üben, üben, üben, jeden Tag, ganz besonders in den ersten 30 Tagen. Es kann auch helfen, wenn man sich nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit der Kultur des Landes beschäftigt, in dem die Sprache gesprochen wird. Das Eintauchen in ein bestimmtes Thema wird übrigens auch an den Rudolf-Steiner-Schulen in Form von Epochenunterricht praktiziert.

Den Erwerb einer Fremdsprache als Projekt zu betrachten hat meines Erachtens zwei entscheidende Vorteile:

  • Ich konzentriere mich auf mein Projekt und behandle es prioritär (und nicht als eins von vielen Dingen, die irgendwann noch gerne tun möchte – ihr wisst schon: Aquarelle malen, Quilten, Nordic Walking, Oberton-Singen usw.).
  • Das Projekt ist zeitlich begrenzt und wird zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen.

Ich kann also sagen: Ich investiere einen Monat oder drei Monate lang Zeit, Geld und Konzentration in dieses Projekt. Danach habe ich eine ordentliche Grundlage in der neuen Sprache und kann dann beispielsweise Bücher lesen oder meine Kenntnisse anderswie erweitern – und mich einem anderen Projekt zuwenden. Zum Beispiel dem Erwerb einer neuen Sprache.

Gut zu wissen:
- Memorisierungs-App Genius (für Mac)
Edufire, eine Website für Online-Unterricht mit Top-Dozenten
The Mixxer, für Sprachaustausch via Skype

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