Hamburg, Big Five

Die Coolness. Das Wasser. St.-Pauli-Airbnb. Das Essen. Der Nordfriseur. Meine ganz und gar unkritischen Hamburger Reisenotizen.

Fremder, kommst du nach Hamburg, dann kauf dir für die Dauer deines Aufenthalts eine Hamburg Card. Oder wenigstens eine 1-, 2-, 3- oder Wieauchimmer-Tage-Card für den öffentlichen Verkehr. Damit kannst du herumfahren, wie es dir beliebt, mit Bussen, Trambahnen und Fähren, bis nach Blankenese (dort waren wir) und zur Bartholomäus-Therme (dort waren wir auch, konnten aber nicht bleiben, weil sie keine Badetücher vermieteten und wir keins mithatten, weswegen wir dann im Holmes Place landeten, dort war es auch schön und sehr modern, und sie hatten Badetücher).

Und Fremder, kommst du nach Hamburg, dann komm in bequemen Schuhen, denn du lernst eine Stadt erst richtig kennen, wenn du sie zu Fuss erkundest (mit Ausnahme von Canberra vielleicht, das mir als ausgesprochen weitläufig und ohne fahrbaren Untersatz nicht zu schaffen in Erinnerung blieb, doch das war 1982, und wer weiss, wie das heute ist).

Ich ahnte schon länger, dass es mir in Hamburg gefallen würde, denn meine Vorfahren waren Wikinger, und alles dort oben fühlt sich für mich irgendwie wie Heimat an, auch wenn ich noch nie vorher dort war, und so war es tatsächlich: wie Heimat.

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Von grossen Gefühlen abgesehen gibt es jede Menge gute Gründe, warum ich jetzt ein Fan von Hamburg bin. Die Elbphilharmonie ist einer davon; okay, mit rund 800 Millionen Euro Baukosten war sie ganz schön teuer, und nicht alle finden sie gelungen, aber ich finde, sie sieht klasse aus, wie sie in die Elbe hinaus ragt, wie eine Galionsfigur, und dass man für die Eröffnung im Januar 2017 Tickets für 15 Euro für das Konzert des Chicago Symphony Orchestra bekommt (jetzt natürlich nicht mehr, weil ausverkauft), finde ich auch klasse.

Also wie war das jetzt mit der Coolness, dem Wasser, dem St.-Pauli-Airbnb, dem Essen und dem Nordfriseur?

1. Die Coolness

Die Coolness zuerst. Sie gründet, was die Stadt betrifft, auf einer Mischung aus Lebendigkeit und Unaufgeregtheit. Hamburg ist dynamisch und lebhaft, aber nicht nervös; selbstbewusst, aber nicht überheblich; offen, aber nicht anbiedernd. Könnte eine Stadt authentisch sein, dann würde ich behaupten, dass Hamburg genau das ist: authentisch. Das hat wohl auch mit den Hamburgern zu tun. Stefan Beuse schrieb in seiner Gebrauchsanweisung für Hamburg, es gebe dort überdurchschnittlich viele gut aussehende Menschen. Und wisst ihr was? Es stimmt. Und sie sind freundlich zu denen, die sich nicht gut auskennen. So war das jedenfalls bei uns. (Und ja: Ich bin voreingenommen, für Hamburg, das sicher auch seine Schattenseiten hat, aber als wir da waren, schien immer die Sonne, daher die rosa Brille.)

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Im Literaturhauscafé.

2. Das Wasser

Es gibt die Elbe. Und es gibt die Alster. Auf der Elbe verkehren die Fähren und die grossen Pötte aus aller Herren Länder und verbreiten den Duft der grossen weiten Welt; drüben in Finkenwerder starten und landen die Airbusse und etwas weiter, in Hamburg-Altona, schmiegt sich Blankenese an den Elbhang, mitsamt seinen 5000 Treppenstufen, Villen und Kleingärten.

Auf der Alster schaukeln die Segelboote und die Stand-up-Paddler, denen man vom Ufer aus zusehen kann, während man an seinem Prosecco nippt. Leider gilt hier unsere Hamburg Card nicht, und eine Alsterkreuzfahrt wollen wir dann doch nicht machen. Bleibt nur der Prosecco. Diesen kann man natürlich auch an der Elbe schlürfen, sehr sogar, zum Beispiel in Strand Pauli oder im Beach Club Hamburg del mar, wo wir nicht waren, was mir nachträglich ein bisschen leid tut, nachdem ich deren Website gesehen habe, aber ich war ja nicht zum letzten Mal in Hamburg.

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3. St.-Pauli-Airbnb

Jules und Bobby vermieten via Airbnb ein schönes, helles Zimmer in ihrer Maisonette-Wohnung mitten in St. Pauli, und wer es gern unkompliziert mag, ist dort bestens aufgehoben. Man ist zu Fuss in ein paar Minuten bei den Landungsbrücken und mit der S-Bahn in ein paar Minuten am Hauptbahnhof, und gleich an der Ecke ist eine prima Frühstücksbar, wo wir die besten Bagels EVER gegessen haben und ausserdem einen sensationellen Zitronenkuchen, und damit wären wir beim Essen.

4. Das Essen

Wikipedia berichtet von seltsamen Dingen, die sich angeblich in hamburgischen Küchen zutragen, darunter Monstrositäten wie Stubenküken, Schwarzsauer und in Madeira eingelegter Ochsenschwanz. Nicht davon soll hier die Rede sein, sondern von den vielen feinen und (für Schweizer Verhältnisse) preiswerten Gerichten, die uns in Hamburg aufgetischt wurden. Wir genossen die thailändische, vietnamesische und italienische Küche, tranken feinen Vinho Verde im Portugiesenviertel und liessen uns im Liberty gleich bei den Landungsbrücken superleckere vegane Sandwiches munden. Das Liberty ist übrigens ein veganes Eiscafé und Bistro, und natürlich probierten wir auch das Eis, und siehe, es war göttlich.

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Während unseres Aufenthalts in Hamburg erlagen wir der schönen, wenn auch kalorienreichen Tradition von «Kaffee und Kuchen» am Nachmittag. Beides war umwerfend in der Speicherstadt Kaffeerösterei und an vielen anderen Orten, wo gebacken wird, Butterkuchen zum Beispiel, aber auch zig Sorten von Käsekuchen (die Quarkvariante, liebe Schweizer; Topfenkuchen, liebe Österreicher), Mohnkuchen, Apfelkuchen und all das andere, das so gut schmeckt und überhaupt nicht dick macht, ganz besonders nicht, wenn man so viel rumläuft wie wir.

5. Der Nordfriseur

Der Mond stand günstig fürs Haarschneiden, und da ich es vor dem Urlaub nicht mehr zum Friseur geschafft hatte, holte ich das in Hamburg nach. Beim Nordfriseur an der Binnenalster, bemannt mit Olaf und Ahmet, buchte ich eines Morgens spontan einen Termin für den Nachmittag, und was dabei heraus kam, gefällt mir so gut, dass es leider einen grossen Nachteil hat: Von jetzt an muss ich jedes Mal zum Haarschneiden nach Hamburg, zu Olaf.

Fotoalbum Hamburg und Ostfriesland auf Flickr

 

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Das ist natürlich nicht der Nordfriseur, sondern der Hygieia-Brunnen im Innenhof des Hamburger Rathauses.

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