Zeig’s mir!

Tod durch PowerPoint? Das muss nicht sein. Bei KaosPilot Matti Straub-Fischer lernt ihr zu visualisieren wie ein Changel.

Changels coachen Führungspersonen und beraten Unternehmen bei der Entwicklung von inspirierenden Führungskulturen. Das tun sie natürlich, man ahnt es schon, nicht mit drögen PowerPoint-Präsentationen: Wer visualisiert wie ein Changel, nutzt visuelle Sprache und verschiedene Hilfsmittel, um etwas bildhaft darzustellen – zum Beispiel eine Vision, ein Problem oder einen Prozess. Das wollte ich dann doch genauer wissen: Im Hauptquartier der KaosPiloten in Bern durfte ich Matti Straub-Fischer, Chief-Changel und dipl. KaosPilot, auf den Zahn fühlen.

Visualisieren wie ein Changel – wie kann ich mir das vorstellen? Was ist das Spezielle daran?

Visualisieren hat Werkstatt-Charakter. Anstatt einfach eine fixfertig vorbereitete PowerPoint-Präsentation laufen zu lassen, beginne ich zum Beispiel mit einem leeren Blatt auf dem Flip-Chart und führe die Teilnehmenden durch den Prozess. Vorher überlege ich mir, mit welchen Fragen, Bildern oder welcher Symbolik ich mein Publikum am besten abholen und zum Dialog einladen kann. Darum geht es nämlich: Visualisieren ist eine Einladung zum Dialog, keine Präsentation von Fakten und Tatsachen.

«Die Teilnehmenden merken: ‚Oh, ich kann ja noch etwas dazu beitragen und kann mithelfen, den Prozess zu gestalten‘.»

Indem ich das Publikum an meinen Überlegungen teilhaben lasse und es dazu ermuntere, sich einzubringen, entsteht eine Art Gruppendynamik. Die Teilnehmenden merken: «Oh, ich kann ja noch etwas dazu beitragen und kann mithelfen, den Prozess zu gestalten.» Dadurch verändert sich automatisch die Haltung der Teilnehmenden: Sie sitzen nicht nur passiv da, hören zu und äussern negative oder positive Kritik, sondern bringen sich aktiv ein. Damit übernehmen sie selbst Verantwortung und überlassen sie nicht einfach demjenigen, der einsam vorne steht und vorträgt.

Visualisieren

Gibt es dazu gute Beispiele?

Architekten visualisieren oft sehr gut mit ihren Modellen, auch im dreidimensionalen Bereich. Im Grunde genommen kann man sehr viele klassische Präsentationen durch Visualisieren ersetzen. Wir machen das zum Beispiel mit Offerten: Anstatt einer Copy/Paste-Offerte mit angepassten Zahlen visualisieren wir beim Kunden vor Ort, was wir für ihn tun können, wie wir es tun und was es kostet. Das kommt bei den Kunden sehr gut an, denn sie merken bereits: «Oha, für die sind wir kein 0815-Auftrag. Die haben sich etwas überlegt und sind engagiert.»

Wenn ich Visualisieren höre, denke ich sofort ans Zeichnen. Muss man dafür gut zeichnen können?

Nein, überhaupt nicht. Visualisieren heisst, etwas bildhaft auszudrücken. Das geht auch mit Materialien wie Lego, Papier und Karton, mit Skizzen oder Gegenständen, die sich vor Ort beim Kunden befinden – seine Produkte zum Beispiel.

«Man muss heraus finden, was für ein Visualisierungstyp man ist: Was passt zu mir?»

Wenn man kein geübter Zeichner ist und sich nicht zutraut, etwas aus dem Stehgreif hinzubekommen, kann man auch viel vorbereiten, indem man beispielsweise Post-it-Zettel schon entsprechend präpariert hat oder Symbole auf Karton, die man dann am Flip-Chart befestigt oder auf den Tisch legt, je nachdem, auf welcher Unterlage man arbeitet. Man muss heraus finden, was für ein Visualisierungstyp man ist. Was passt zu mir? Mit welchen Hilfsmittel oder Materialien fühle ich mich wohl und sicher? Man muss zu seiner eigenen Form finden, dann wirkt es auch überzeugend und authentisch.

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Worin siehst du den grössten Nutzen des Visualisierens? Warum sollte man das können?

Beim Visualisieren gibt es keine Hierarchien. Jeder kann mitmachen und sich einbringen. Was der Herr Direktor dazu beiträgt, wird in der Visualisierung nicht anders gewichtet als der Beitrag eines Lernenden. Wenn wir visualisieren anstatt präsentieren, dann servieren wir unserem Publikum keine pfannenfertige Lösung, die wir den Anwesenden schmackhaft zu machen versuchen, sondern wir laden sie zur Mitarbeit ein. Gemeinsam treten wir in einen Dialog ein, und wir denken gemeinsam. So lassen sich auch starke Widerstände aufweichen, und die Akzeptanz des Resultats, sofern es eines gibt, ist ungleich grösser, als wenn die Teilnehmenden einfach nur Ja und Amen sagen sollen zu dem, was ihnen vorgelegt wurde.

«Im Dialog werden wichtige Fragen geklärt, zum Beispiel: Wo müssen wir uns einig sein? Wo gibt es Spielraum?»

Das Resultat eines Visualisierungsprozesses ist etwas, das man gemeinsam erschaffen hat. Beim Visualisieren stellt man übrigens auch schnell fest, ob man überhaupt vom Gleichen spricht und ob man einander richtig verstanden hat. Und es werden im Dialog wichtige Fragen geklärt, zum Beispiel: Wo müssen wir uns einig sein? Wo gibt es Spielraum?

Was lernt man konkret bei euch im Kurs?

Zunächst einmal die Grundlagen des Visualisierens, und dann natürlich die verschiedenen Möglichkeiten, wie man sie anwenden kann. Wir probieren verschiedene Materialien aus, was sich für zwei- oder dreidimensionales Visualisieren eignet, zum Beispiel auf dem Tisch. Die Teilnehmenden können herausfinden, welche Arten von Visualisieren zu ihnen passen, und wir überlegen uns, welche Bildwelten für uns und für das Publikum funktionieren.

«Man muss Bilder verwenden, die einfach verstanden werden.»

In kleinen Gruppen üben wir anhand konkreter Anliegen oder Probleme, wie wir das Gelernte umsetzen können. Sehr wertvoll ist dabei das Feedback der anderen Teilnehmenden, die uns melden, wie etwas bei ihnen ankommt, ob die gewählte Bildwelt funktioniert und ob die Botschaften ankommen. Beim Visualisieren muss man Bilder verwenden, die einfach verstanden werden, von allen, ganz besonders, wenn das Publikum gemischt ist bezüglich Wissensstand oder anderen Voraussetzungen.

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An wen richtet sich der Kurs? Wer sollte visualisieren können wie ein Changel?

Besonders wichtig finde ich es für alle von uns, die in den Bereichen Coaching, Moderation, Beratung, Management oder Bildung tätig sind oder Sitzungen leiten. Man merkt übrigens schnell, dass Visualisieren viel mehr Spass macht als trockene Präsentationen abzuspulen, und das merken auch die Teilnehmenden. Meiner Erfahrung nach machen sie gerne mit, wenn derjenige, der vorne steht, auch Spass daran hat. Visualisieren schafft eine Leichtigkeit, die von den Teilnehmenden geschätzt wird, egal in welcher Branche, und man kommt damit schneller ans Ziel als mit konventionellen Präsentationen.

Infos und Auskünfte
Changel-Website mit Factsheet «Visualisieren» zum Herunterladen
Mehr Infos zum Visualisieren und etwas Inspiration zum Ausprobieren

 

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