«Wir können die Gesellschaft nicht verändern, nur das Individuum kann sich verändern.»

«Eine einsame Mahnwache im abgeschiedenen Alaska.» Von links nach rechts: Mr. Snickers, Diane McEachern (mit Plakat), Seabiscuit (vorne) und Ruffian.
Die Wissenschaftlerin Diane McEachern verfolgte im fernen Alaska die wachsenen Proteste an der New Yorker Wall Street und entschied, ebenfalls nicht untätig zu bleiben, zumal es auch in ihrem Umfeld um die soziale Gerechtigkeit nicht optimal bestellt ist: Die Bewohner von Bethel, so schreibt SF DRS, hätten mit hohen Benzin- und Heizölpreisen und dem Abbau von Sozialleistungen zu kämpfen.
Diane McEachern machte also flugs ein Foto von sich und ihren Hunden, stellte es auf die Facebook Seite von Occupy Wall Street und verzeichnete wenige Stunden später bereits mehr als 8000 «Likes». Ihre Botschaft dazu: «Finde deinen Platz. Besetze ihn. Auch wenn es nur dein eigenes Bewusstsein ist.» Zur Stunde zählt die Facebook Seite von «Occupy Wall Street» fast 78’000 Fans. Auf Twitter folgen fast 77’000 Menschen der Bewegung. Dokumentationen der Ereignisse gibt es auf YouTube und in einem Videoblog.
Innovative Technologie clever anwenden
Welche Rolle Social Media beim sozialen Wandel in der Gesellschaft spielen, erörterte kürzlich die Huffington Post in einem Artikel. Sie stellte fest, dass es dabei weniger um die technische Seite der Innovation gehe, sondern viel mehr darum, wie die Instrumente angewendet würden.
Dieser Meinung ist auch Jeremy Heimans, Mitgründer und CEO von Purpose: «Es geht nicht so sehr um die Instrumente selbst. Es geht vor allem um clevere Leute, welche die besten Tools geschickt nutzen, um die Menschen zusammen zu bringen.» Dass es ohne Internet unmöglich ist, so viele Menschen innerhalb so kurzer Zeit zu organisieren, wie das bei Occupy Wall Street geschehen ist, dürfte uns allen klar sein.
Das Social Web gehört allen
Das Social Web gehört allen und lässt sich von allen nutzen, die Zugang zu einem Internet-Anschluss haben. Es ist weder ein Privileg der Reichen noch der übermässig Gebildeten und funktioniert unabhängig von Region, Religion, Kultur und Sprache. (Sofern der Internet-Anschluss funktioniert. Es soll ja immer noch Gegenden auf der Welt geben, wo das nicht der Fall ist.) Nicht einmal Lesen und Schreiben muss man können: Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte, und Bilder gibt es im Social Web mehr als genug.
Twitter: «It’s free, highly mobile, very personal and very quick»
So aus dem Stehgreif würde ich sagen, die Geburtsstunde des Tandems «Revolution & Social Media» schlug 2009 bei den Protesten im Iran. Twitter, the Medium of the Movement titelte damals das TIME Magazin – und schrieb auch gleich, warum: »It’s free, highly mobile, very personal and very quick. It’s also built to spread, and fast.» Bei der arabischen Revolution im Frühling, vorab in Ägypten bei der Besetzung des Tahrir-Platzes, spielten Social Media ebenfalls eine grosse Rolle, so wie jetzt in New York: Die Koordinierung der Proteste erfolgt grösstenteils über Twitter und Facebook.
Social Media und Wassermannzeitalter
Social Media sind keine Zeiterscheinung oder ein Modetrend, den man aussitzen kann. Zeitgemäss sind sie allerdings schon – und wie: Nach 2000 Jahren Fischezeitalter befinden wir uns jetzt auf der Schwelle zum Wassermannzeitalter. Zu den auffallendsten Merkmalen des Wassermanns gehören das Streben nach Unabhängigkeit sowie der Abbau von Schranken und Hierarchien jeder Art.
In gewissem Sinne begann diese Bewegung bereits mit der französischen Revolution: «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» sind typisch wassermännische Forderungen. Dem Wassermannprinzip geht es stets um Demokratisierung, Integration und um eine umfassende Emanzipation. Individuelle und geistige Freiheit, Bruch mit dem Alten, Transparenz, Wahrheit sowie die Entlarvung von Abhängigkeiten und Verführungen. Das Wassermannzeitalter fördert eine weltweite Vernetzung und Globalisierung, letzteres jedoch nicht, damit möglichst wenige Menschen möglichst viel verdienen: Es schafft die Basis, damit wir Probleme, die alle Menschen betreffen, gemeinsam angehen können. Da kommen uns Social Media gerade recht.
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